Blog / Kuration

Serienkritik: Sterling Point (Staffel 1)

Annie Jacobson (Ella Rubin) und Rory (Daniel Quinn-Toye) auf Sterling Point. Foto: Courtesy of Prime / / © Amazon Content Services LLC

Die erfrischende Coming-of-Age-Serie erzählt einfühlsam von Familie, Geheimnissen, Identität und erster Liebe vor der beeindruckenden Kulisse Kanadas.

Inhalt

Die 17-jährige Annie Jacobson (Ella Rubin) hat es gerade alles andere als leicht: Zuerst wird sie vom begehrten Sommerprogramm abgelehnt, dann wartet sie nahezu täglich auf das Coming-out ihres Freundes Oliver (Luke Avoledo). Ihr Zwillingsbruder Connor (Keen Ruffalo) ist ihr bei alldem keine Hilfe. Doch das Leben der adoptierten Geschwister stellt sich vollends auf den Kopf, als sie erfahren, dass sie eine Insel in Kanada geerbt haben. Als Annie schließlich auch noch auf versteckte Briefe ihres verstorbenen Großvaters mit der geheimnisvollen Botschaft "Findet sie!" stößt, reißt sie kurzerhand allein nach Sterling Point. Auf der abgelegenen Insel (schlechtes WLAN!) angekommen, nehmen sich ihr zum Glück die unkonventionelle Oona (Bo Bragason) und der zurückhaltenden Ellis (Jacob Whiteduck-Lavoie) an. Die größte Überraschung steht ihr aber noch bevor! Denn das Haus ihres Großvaters gehört einem fremden Mädchen, das ihrer Adoptivmutter verblüffend ähnlich sieht. Noch bevor Annie sich erklären oder Fragen stellen kann, wirft die wütende Ramona (Amélie Hoeferle) sie kurzerhand raus. Und damit beginnt ein emotionaler Sommer, der das Leben aller auf der Insel für immer verändern wird. Zwischen Verwirrung, Lügen und überbordenden Gefühlen suchen sie einen Weg, um mit ihren seelischen Verletzungen zurechtzukommen, zu verzeihen und herauszufinden, wer sie sind und was sie sein wollen.

Kritik:   

Filmische Mittel

Die Erzählstruktur der Serie ist fortlaufend. Sie verzichtet komplett auf klassische Rückblenden. Nur anhand von Bildern, Dialogen oder abgespielten Kassetten erfahren wir von der Vergangenheit und den Beziehungen der Figuren zueinander. Dadurch bleibt man immer dicht am Geschehen und erlebt jede emotionale Enthüllung quasi „live“ mit.

Um diesen Eindruck noch zu verstärken, setzt die Serie auf viele Nahaufnahmen der Gesichter, etwa wenn die Figuren intime Momente miteinander teilen oder über ihre Gefühle sprechen. So lässt sich jede Regung, jede Wut, Verzweiflung oder Unsicherheit noch besser erkennen und unmittelbar miterleben. Im Gegensatz dazu stehen die Totalen, die die Weite der unberührten Landschaft Kanadas einfangen. Die Natur und das Meer wirken hier wild, frei, unberechenbar. Einfach, aber auch wunderschön. Hier verändert sich Annie, hier wird sie erwachsen. Und tatsächlich feiern sie und Connor in diesem neuen Umfeld ihren 18. Geburtstag, erleben ihre ersten großen Erfahrungen, geben sich hin und verlieren sich wieder. Alles wirkt echt und naturbelassen. Das spiegelt sich auch in der Farbgebung wider. Die Serie verzichtet auf grelle Farben oder künstlich überhöhte Ästhetik. Viele Szenen sind in ein goldenes Licht getaucht, das wunderbar zum sommerlichen Ambiente passt.

Musikalisch untermalt wird das Ganze von einem modernen, hippen Soundtrack mit absolutem Ohrwurmcharakter. Zu den Klänge von „Don't Speak“ von Loaded Honey genießen wir den Flug über Kanadas atemberaubende Landschaft oder rasen unter den Beats von Samara Cyns „Sinner“ in wildem Tempo über das Wasser. Die Songs vermitteln dabei genau die Gefühle, die die Figuren nicht auszudrücken vermögen.

Persönliche Einschätzung

„Sterling Point“ besticht durch seine wohltuend ruhige Erzählweise. Die Geschichte entfaltet sich langsam und nimmt sich Zeit, was einen schönen Kontrast zu den sonst so hektischen Teenie-Serien bildet. Trotz kleinerer Längen überzeugt die Geschichte durch clevere Wendungen und Überraschungen.

Einen großen Anteil daran tragen auch die die angenehm frechen, authentischen Charaktere mit ihren Ecken und Kanten. Hauptdarstellerin Ella Rubin wirkt wie eine Mischung aus Winona Ryder und Anne Hathaway und spielt die ehrgeizige, selbstironische Annie absolut bezaubernd und glaubwürdig. Rubin verleiht ihrer Rolle Verletzlichkeit, aber auch eine stille Stärke, wenn sie angesichts all der familiären Offenbarungen versucht, alles zusammenzuhalten und nicht selbst die Kontrolle zu verlieren. Die unnahbare, resolute Ramona stellt sie dabei vor große Herausforderungen. Die vorlaute Oona wirkt im Gegenzug sehr selbstbewusst, durchsetzungsfähig und unabhängig. Sie sorgt mit ihrer lockeren Art für einige Lacher in der Serie.

Überhaupt sprüht die Serie vor Sprachwitz und Situationskomik. So nimmt Annie versehentlich eine Schlaftablette für einen 45-minütigen Flug oder muss sich in einem Haus voller Eicheln zurechtfinden. Solche absurden Momente geben der Geschichte Leichtigkeit, ohne ihre ernsteren Seiten zu überdecken. Klassische Coming-of-Age-Themen wie die erste Liebe, Eifersucht, Konkurrenzkampf oder die Angst vor Zurückweisung bestimmen die Konflikte und werden sensibel in die Geschichte verwoben. Hinter allem steht jedoch der Wunsch nach familiärer Verbundenheit und Zugehörigkeit. Diese Sehnsucht ist es, die letztlich alle miteinander verbindet.

Fazit

Insgesamt eignet sich „Sterling Point“ perfekt für die Spätsommerzeit. Die Serie empfiehlt sich für all diejenigen, die die letzten Tage des Sommer auskosten wollen, die tiefe Gefühle mögen, sich aber trotzdem einer entspannten Leichtigkeit hingeben wollen. Wer gern in eine andere Welt eintauchen und sie mit einem guten Gefühl wieder verlassen möchte, findet hier die passende Gelegenheit dafür.

Land: Vereinigte Staaten
Jahr: 2026
Genre: Coming-of-Age, Drama, Romanze
FSK : Empfohlen ab 12 Jahren (aufgrund von Themen wie Drogenkonsum und Intimität)
Regie: Megan Park
Darsteller: Ella Rubin, Amélie Hoeferle, Jeffrey Dean Morgan, Jay Duplass u.a.
Laufzeit: 8 Episoden à ca. 45 Minuten

Wo zu sehen: Exklusiv auf Prime Video

© 2026 Mercedes Gundermann. Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten. 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.